Erzengel Michael / Denkmal an der Stadtmauer

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Erzengel an der Stadtmauer Schmölln - Peter Böhme - © Melanie Böhme

Erzengel Michael an der Schmöllner Stadtmauer

Schmölln ist um einen weiteren Blickfang reicher: Die originalgetreue Nachbildung des auf dem Pfefferberg befindlichen Denkmals zur Erinnerung an die im ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten. Das aus einer alten Blaufichte geschnitzte Kunstwerk steht nicht nur an der Schmöllner Stadtmauer, sondern auch im heimischen Garten von Peter Böhme.

Böhme ist Mitglied im Schmöllner Heimat- und Verschönerungsverein und stieß bereits vor etlichen Jahren auf das geschichtsträchtige Denkmal an der Jahn-Turnhalle. Im Gespräch mit dem ehemaligen Vereinsmitglied und Sport-Funktionär Wolfgang Götze, wurde damals zunächst der Entschluss gefasst, das zum Teil zerstörte Denkmal, zu erneuern. Die Idee war, ähnlich der Figuren am Gebäude Bergstraße 72, die fehlenden Details mit Mörtel nachzuarbeiten. Da die Stadt für derlei Projekte allerdings zum damaligen Zeitpunkt keine Gelder aufbringen konnte, geriet die Aufarbeitung des Denkmals wieder in Vergessenheit.

Denkmal an der Jahnturnhalle Schmölln - © Melanie Böhme
Denkmal an der Jahnturnhalle Schmölln – © Melanie Böhme

Aufmerksamen Schmöllner Spaziergängern, die an der Jahn-Turnhalle vorbeilaufen,  ist die leicht erhöht stehende und von Steinen umgebende Skulptur sicherlich ein Begriff. Dass es sich dabei aber um ein Abbild des Erzengels Michael handelt, wissen wohl die Wenigsten, denn nur noch der untere Teil ist erhalten und lässt einen Ritter samt Schild erahnen. Alljährlich zum Volkstrauertag werden Blumen/Kränze niedergelegt und so der Schmöllner Sportler des Männerturnvereins gedacht, die im ersten Weltkrieg gefallen und deren Namen auf der Rückseite eingraviert sind.

Viele Jahre später und einem glücklichen Zufall geschuldet, erinnerte sich Böhme an die Pläne, das Denkmal wieder in seinen Originalzustand zu versetzen. Nicht jedoch an seiner ursprünglichen Stelle, sondern an der Schmöllner Stadtmauer, die sich an das eigene Grundstück anschließt. Die stattliche Blaufichte, die der Tischler mit seinem Großvater im Jahr 1964 pflanzte, musste aufgrund von Krankheitsbefall Ende 2020 gefällt werden.

Ideen zur Nutzung des Stammes ließen nicht lange auf sich warten: „Ich hatte bei der Recherche im Internet bereits von Schnitzern gelesen, die aus alten Baumstämmen, beeindruckende Holzkunstwerke herausarbeiten. Als dann schließlich Marcus Malik aus Gera auf einem Grundstück in Gößnitz genau solche Arbeiten vornahm, war für mich schnell klar, wer und vor allem was aus dem Stamm der alten Blaufichte an der Stadtmauer werden sollte,“ berichtet Böhme.

Jahndenkmal-HeimatVerschoenerungsverein
Jahndenkmal – Heimat- und Verschönerungsverein

Mit der Unterstützung von Vereinsmitglied Bernd Leikert konnte Böhme alte Fotografien des ursprünglichen Denkmals ausfindig machen. Trotz eingehender Recherchen in alten Unterlagen der Stadt fand man jedoch nichts über den Bau des Denkmals. So ist nicht bekannt, welcher Künstler das Abbild des Erzengels Michael aus Mörtel modelliert hat. Es wird vermutet, dass es sich um den Altenburger Jugendstilkünstler Otto Pech handelt, sicher ist das jedoch nicht. Auch Aufzeichnungen über die Einweihung des Denkmals gibt es nicht. Es liegt allerdings nahe, dass es um das Ende des 1. Weltkriegs oder wenige Jahre darauf gewesen sein muss, da die Rückseite die Namen der Schmöllner Sportler trägt, die zwischen 1914 und 1918 gefallen sind.

Welche Rolle spielt der Erzengel Michael für Schmölln? Auch das ist nicht belegt. Sicher ist jedoch, dass Michael seit jeher als Schutzpatron der Deutschen – daher stammt auch der Begriff deutscher Michel – gilt und oft als mutiger Kämpfer, der sich den Mächten des Bösen stellt, in Rüstung und mit Schwert dargestellt wird, wie auch im Fall des Abbilds an der Jahn-Turnhalle. Der Erzengel steht zudem als Schutzpatron der Verstorbenen und der Soldaten.

In Erinnerung an die gefallenen Turner wurde das Schild Michaels mit vier stilisierten F versehen, die für „Frisch, fromm, fröhlich, frei“ stehen und auch heute noch gut zu erkennen sind. Der obere Teil des Denkmals mit dem Kopf des Erzengels sowie den Worten „Für euch“, die ursprünglich aus Bronze gearbeitet waren, wurde vor vielen Jahren zerstört. Bei den Bronzebuchstaben wird vermutet, dass diese entweder gestohlen wurden oder im 2. Weltkrieg für die Rüstungsindustrie herhalten mussten.

Diese wichtigen Details und dank der gut erhaltenen Fotografien aus der Entstehungszeit des Denkmals, war es Malik möglich, den Erzengel Michael aus Holz wieder auferstehen zu lassen.

Erzengel - Stadtmauer - © Melanie Böhme
Erzengel an der Stadtmauer Schmölln – © Melanie Böhme

Das neue Denkmal entstand jedoch nicht nur eigennützig, wie Böhme erklärt: „Ich bin Mitglied des Heimat- und Verschönerungsvereins und will damit auch einen Beitrag für die Geschichte der Stadt leisten!“

Erzengel an der Stadtmauer Schmölln - Peter Böhme - © Melanie Böhme
Erzengel an der Stadtmauer Schmölln – Peter Böhme – © Melanie Böhme

Wer sich nun fragt, was es mit der Eule auf dem Kopf des Ritters auf sich hat, sei hier noch mit interessanten Informationen versorgt:

Seit 1950 schützt die Eule schützenswerte heimische Bäume, Biotope und Landschaften. Erfunden wurde sie von Naturschützern der DDR und hat es inzwischen auch in die westlichen Bundesländer geschafft. Seit dem 1. Juni 1971 war die Eule sogar offiziell per Gesetz das Naturschutzsymbol der DDR. 50 Jahre später schützt die geschnitzte Eule nun das hölzerne Denkmal des Erzengels Michael an der Schmöllner Stadtmauer.

Damit es noch viele Jahre erhalten bleibt, wurde das Holz mit einem UV-beständigen Öl behandelt. Ortsunkundige Spaziergänger finden das Denkmal in der Schmöllner Schulstraße 36, unmittelbar an der Stadtmauer.

Text und Bilder – Melanie Böhme

Im Namen vom Heimat- und Verschönerungsverein einen herzlichen Dank für die Aktion der Neugestaltung des Denkmals an Peter Böhme und den tollen Bericht/Dokumentation von Melanie Böhme!

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